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Aktienanalyse – AT&T - Bringt Time Warner neuen Schwung für die AT&T Aktie?

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AT&T Aktie - Dividende gut, alles gut?

Die Aktie des US-Telekommunikationskonzerns AT&T erfreut sich unter Anhängern der Dividendenstrategie einer großen Beliebtheit. AT&T schafft es seit 34 Jahren die Dividende jedes Jahr anzuheben und ist damit ein echter amerikanischer Dividendenaristokrat. Gleichzeitig bietet die AT&T Aktie eine hohe Dividendenrendite von derzeit ca. 6%. Die Ausschüttungsquote beträgt ca. 68% des Free-Cashflows.  AT&T bietet eine sichere, stetig steigende Dividende kombiniert mit einer attraktiven Dividendenrendite. Was will man mehr? 

Nun, für die Gesamtrendite wären doch auch Kurssteigerungen ganz schön. Doch damit kann die AT&T Aktie leider nicht dienen. Das konnte sie noch nie, wie der folgende Chart zeigt:

Chart AT&T im Vergleich zu S&P 500
Quelle: ariva.de

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Die AT&T Aktie läuft seit über 10 Jahren mehr oder weniger nur seitwärts. Der Kurs kommt einfach nicht von der Stelle. Gut. Egal. Hauptsache die Dividende wird gezahlt, wird sich mancher Dividendeninvestor nun denken. Leider ist das im Hinblick auf die Gesamtrendite (Kursrendite + Dividendenrendite) rational betrachtet ein falscher Gedanke.

 

Während man mit einer Investition in den gesamten amerikanischen Aktienmarkt in den letzten 10 Jahren eine Gesamtrendite von 11,22% p.a. erzielen konnte, hat man mit der AT&T Aktie nur eine Gesamtrendite von 5,02% p.a. eingefahren (Quelle: Morningstar.com, Trailing Returns).

Der Gewinn zählt!

Diagramm mit Gewinnentwicklung AT&T von 2008 bis 2017

Der Grund warum der Aktienkurs von AT&T kaum von der Stelle kommt ist der Unternehmensgewinn. Die Gewinne von AT&T schwanken stark, wollen auf lange Sicht aber einfach nicht wachsen.

So betrug der Nettogewinn im Jahr 2008 USD 12,9 Milliarden. Im Jahr 2017 wurde ein erfreulicher hoher Nettogewinn von USD 29,5 Mrd. ausgewiesen. Dieser Nettogewinn enthält jedoch bei näherer Betrachtung einen einmaligen Steuerertrag in Folge der US-Steuerreform von Donald Trump in Höhe von USD 20,2 Milliarden. Rechnet man diesen Steuerertrag heraus, bleibt nur ein Nettogewinn von USD 9,2 Milliarden. Das sind leider USD 3,7 Milliarden weniger Gewinn als im Jahr 2008.

 

Gewinnwachstum? Fehlanzeige!

 

Gewinnwachstum muss also her! Koste es, was es wolle!

 

Das hat das AT&T Management wohl wörtlich genommen...

Bringt Time Warner neuen Schwung in das Gewinnwachstum?

Für die stolze Summe von USD 85 Milliarden hat AT&T den Unterhaltungskonzern Time Warner gekauft.

 

Die Akquisition konnte im Juni 2018 nach einem langen juristischen Gezerre vollzogen werden. Kein geringerer als der US-Präsident Donald Trump persönlich hat sich gegen diesen Unternehmenskauf gestemmt. Seiner Meinung nach erlangt AT&T mit Time Warner eine zu große Marktmacht. Inoffiziell war und ist Donald Trump aber der zu Time Warner gehörende Fernsehsender CNN ein Dorn im Auge. CNN verbreite nach Auffassung von Trump nämlich Fake News.

  

Time Warner hat etwas, was AT&T nicht hat: Gewinnwachstum!

Diagramm Ergebnisentwicklung Time Warner
Quelle: finanzen.net

Bricht für AT&T mit Hilfe von Time Warner nun eine neue Zeitrechnung an? Wird es endlich langfristig aufwärts gehen? Mit den Gewinnen? Mit dem AT&T Kurs?

AT&T Aktie - Machen Sie sich jetzt selbst ein Bild, mit der Finanzsenf-Aktienanalyse!

Die unabhängige und aufwendig recherchierte Finanzsenf-Fundamentalanalyse beschäftigt sich ausführlich mit dem Unternehmen und seiner Branche. Management und Geschäftsmodell werden hinterfragt. Kritische Bilanzpositionen werden analysiert und bewertet. Chancen und Risiken werden aufgezeigt. Die Schätzung des fairen Wertes sowie das abschließende Fazit runden die Analyse ab und geben einen Hinweis, ob die Aktie derzeit für einen Kauf in Frage kommen könnte.

 

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Download - Analyse AT&T Aktie

Hinweis: Die Aktienanalyse stellt keine  Anlageberatung und auch keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren im Sinne von § 85 WpHG dar.  Es gilt der Haftungsausschluss.

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Aktienanalyse - AT&T Aktie
Fundamentalanalyse der AT&T Aktie (Stand: 09/2018)
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Kommentare: 9
  • #1

    Schildkröte (Montag, 17 September 2018 15:26)

    Danke für die sehr ausführliche und aufschlussreiche Analyse! Bin über das Wertpapier-Forum auf diesen Blog gestoßen und werde künftig sicher häufiger vorbei schauen.

    Bezüglich der Bewertung von AT&T teile ich Ihre Ansicht im Wesentlichen.
    Strategisch kann man sich über die aggressiven Firmenkäufe von AT&T durchaus streiten, insbesondere hinsichtlich DirecTV.
    Bezüglich TimeWarner ist es aber ganz klar die Flucht nach vorne, um künftig eigenen Content anbieten zu können.

    Was das Kundenverhalten, insbesondere das der jüngeren unter 35, betrifft, bin ich allerdings anderer Ansicht an Sie.
    Sie weisen darauf hin, dass die Telcos Telefon, Internet, Fernsehen/Streaming und Handy/Smartphone gerne im Komplettangebot anbieten, was ich nur verstehen kann.
    Sie weisen jedoch ebenfalls darauf hin, dass die jüngeren Konsumenten vielmehr bloß günstigere Teilangebote statt Komplettpakete bevorzugen.
    Nun, das ist sicher richtig. Aber liegt das nicht womöglich vor allem daran, dass diese Konsumentengruppe schlichtweg noch nicht so viel Geld hat, sich mit steigendem Alter und Einkommen aber auch mehr leisten können wird - eben die angesprochenen Komplettpakete?

    Zu recht weisen Sie auch darauf hin, dass (Streaming-)Abos von Amazon und Netflix erheblich günstiger sind als vergleichbare Streaming- und Pay TV - Angebote von AT&T & Co.
    Ich vermisse hier allerdings einen Hinweis darauf, dass Amazon und Netflix im Vergleich zu AT&T, Verizon etc. nach wie vor recht wenig Geld verdienen (was sich in entspr. aberwitzig hohen KGVs bemerkbar macht).
    Früher oder später wollen die Aktionäre von Amazon und Netflix jedoch sicher (mehr) Geld (bzw. höhere EPS und realistischere KGVs) sehen, so dass diese auch an der Preisschraube drehen müssen.
    Dies könnte geschehen, sobald sich das Wachstum an Neukunden abschwächt, welche eben genau über günstige Abo-Preise generiert werden sollen.

    Gepanzerte Grüße

  • #2

    Karl Napf (Montag, 17 September 2018 17:00)

    AT&T / bereinigter Gewinn pro Aktie (adjusted EPS _außer_ "amortization of intangibles")

    2004: $1,78
    2005: $1,59
    2006: $1,89
    2007: $1,95
    2008: $2,16
    2009: $2,07
    2010: $2,29
    2011: $2,20
    2012: $2,31
    2013: $2,50
    2014: $2,54
    2015: $2,41
    2016: $2,29
    2017: $2,55
    2018e: $2,95
    2019e: $2,95
    2020e: $3,13

    Hier ist sehr wohl EPS-Wachstum vorhanden (lang-. mittel- und kurzfristig etwa +4% p.a.), was dazu führt, dass die Ausschüttungsquote der Dividende von AT&T immer zwischen 70% und 85% des bereinigten EPS lag und laut Analystenkonsens ab 2018 auf 68% des erwarteten EPS sinken wird (was auch sinnvoll ist, um die anlässlich der Time-Warner-Übernahme steigender Verschuldung wieder auf das vorherige Maß zurückzuführen).
    Mit 4% EPS-Wachstum (das sich langfristig in einen Kursanstieg der Aktie in derselben Höhe übersetzen muss - momentan liegt AT&T nach KGV fast 20% unter dem langjährigen Durchschnitt, ganz ähnlich wie der Konkurrent Verizon mit insgesamt nahezu identischen Daten) plus 5% Dividendenrendite landet man ziemlich genau bei der langfristigen Aktienmarktrendite von 9% p.a.

    Man darf für 2017 nicht bloß die Steuerreform bereinigen, sondern muss auch andere einmalige Sondereffekte berücksichtigen, insbesondere die anlässlich der Fusion mit Time Warner entstandenen Kosten, Restrukturierungsaufwendungen und Buchwertabschreibungen.
    AT&T selbst weist für 2017 ein adjustiertes EPS von sogar $3,05 aus, weil dort auch die (nicht cash-wirksame) "Amortisation durch Akquisitionen erworbener immaterieller Werte" (vermutlich im Wesentlichen DirecTV, sonst hat man ja nichts Großes übernommen) in Höhe von $0,50 pro Aktie "bereinigt" wird (was _ich_ nicht zu akzeptieren bereit bin, denn diese Amortisation frisst Jahr für Jahr Buchwert, welcher ansonsten für den Rückkauf eigener Aktien zur Verfügung gestanden hätte).

    Die Schwankungen des EPS im letzten Jahrzehnt lagen im Wesentlichen daran, dass AT&T für seine Betriebsrenten mehrfach hohe zusätzliche Rückstellungen bilden musste.
    Dies wiederum lag daran, dass die zuvor getätigten Rückstellungen aufgrund der Niedrigzinspolitik der USA nicht mehr ausreichten, um die eingegangenen Verbindlichkeiten zu decken.
    Der Leitzins in den USA sank seit der Finanzkrise von 5% auf 0%, ist aber seit 2016 wieder am Steigen, sodass auch die Rendite dieser Rückstellungen steigt und in den kommenden Jahren keine weiteren Sonderaufwendungen dieser Art zu erwarten sind.

    Zudem ist AT&T mit seinem fast zu 100% in den USA betriebenen Geschäftsmodell einer der Hauptprofiteure der Steuerreform von Donald Trump, was den erwarteten Sprung des EPS für 2018e erklärt. Dieser Sprung ist zwar nicht wiederholbar, aber zumindest nachhaltig (da die Steuersenkung dauerhaft sein wird, weil sie das zuvor extrem hohe Niveau der Unternehmenssteuern von bis zu 39% für amerikanische Konzerne nun im Wesentlichen dem weltweiten Durchschnitt angeglichen hat - nur Japan hat jetzt noch ähnlich hohe Unternehmenssteuern, und auch dies nur durch eine hohe Sondersteuer auf Immobilien).

    [Ende Teil 1 wegen Begrenzung der zulässigen Textlänge auf 5000 Zeichen...]

  • #3

    Karl Napf (Montag, 17 September 2018 17:01)

    [... und weiter mit Teil 2:]

    Die Schwachstelle bei AT&T ist die Verschuldung. Schon jetzt (= 2017, also _vor_ der Time-Warner -Übernahme) fließen $6,3 Mrd. Zinsen an die Gläubiger ab (gegenüber $13,3 Mrd. an bereinigtem Nettogewinn für die Aktionäre), also 32% des EBIT minus der bereinigten Steuerzahlung. AT&T bezahlt also 2,1% Zinsen für sein Fremdkapital.
    Ein Anstieg des Zinsniveaus um weitere 2% würde diese Abflussquote auf 58% steigern und damit den für die Aktionäre verbleibenden Nettogewinn um mehr als ein Drittel senken - und _dies_ würde dann die Ausschüttungsquote der Dividende auf über 100% steigern.
    AT&T darf also auf keinen Fall seine Dividende um den zusätzlichen Gewinn der neuen Time-Warner-Sparte erhöhen, sondern muss diesen (mindestens die nächsten 3-5 Jahre) ebenso wie den positiven Effekt des deutlich reduzierten Steuersatzes komplett zur Schuldentilgung einsetzen. Im Prinzip wäre mir sogar eine Reduzierung der Ausschüttungsquote auf 40-50% recht, weil AT&T dann möglicherweise sogar ein paar eigenen Aktien zur aktuellen Bewertung einsammeln könnte.

    AT&T leidet trotz 32% Eigenkapitalquote wesentlich stärker unter steigenden Zinsen als Verizon mit nur 17% Eigenkapitalquote, weil Verizon das deutlich besser funktionierende Geschäftsmodell hat: Verizon erzielt (bereinigt) 9,9% EBIT aus seiner Bilanzsumme ($257 Mrd.), während AT&T nur 5,6% seiner Bilanzsumme ($444 Mrd.) verdient. Diese riesige Bilanzsumme (obwohl beide Konzerne bei Umsatz und operativem Gewinn etwa auf Augenhöhe sind) kostet die Aktionäre bares Geld.
    Denn entscheidend für die Zinssensitivität ist die Differenz zwischen der Rendite des eigenen Kapital und dem Zinssatz, den man für sein Fremdkapital bezahlen muss - und diese Differenz ist bei Verizon (9,9% - 2,2% = 7,7%) derzeit mehr als doppelt so hoch wie bei AT&T (5,6% - 2,1% = 3,5%), der Zinssensitivitätshebel also bei Verizon nur halb so hoch wie bei AT&T.

    Dies ist übrigens derselbe Grund, weshalb Colgate-Palmolive, McDonald's und Philip Morris International überhaupt kein Eigenkapital besitzen: Die verdienen allesamt operativ über 20% ihrer Bilanzsumme pro Jahr, und so hoch werden die Zinsen auf absehbare Zeit nicht steigen.

  • #4

    Finanzsenf (Freitag, 21 September 2018 20:05)

    Hallo Schildkröte,

    vielen Dank für den Kommentar.

    Es ist richtig, dass die jüngeren Konsumenten weniger Geld haben und daher weniger Komplettpakete nachfragen. Ich bezweifle aber, dass Sie mit steigendem Einkommen dazu wechseln werden. Wir sehen hier aktuell einen grundlegenden Wechsel im Hinblick auf den Medienkonsum. Die Internetnutzung steigt stetig an. Streamingdienste werden immer populärer. Das habe ich in der Analyse mit Statistiken auch belegt. Ich glaube nicht, dass sich daran etwas ändern wird, wenn die jüngeren Konsumenten mehr Geld in der Tasche haben. Ich glaube nicht, dass sie dann wieder zurück zum Pay-TV gehen werden. Im Hinblick auf 5G wird es auch nicht mehr erforderlich sein, zu Hause einen stationären Internetanschluss zu haben. Mit einem 5G-Mobilfunkanschluss hat man alles was man braucht, egal wo man ist : Telefon, Internet, Streaming-TV. Ein teures Komplettpaket mit Pay-TV ist nicht erforderlich. Man braucht nur einen leistungsfähigen 5G-Vertrag.

    Ja, Netflix verdient recht wenig mit dem Streaming und das wir m.E. auch so bleiben. Der negative operative Cashflow zeigt es deutlich. Ich denke, dass es hier zunächst weiter um den Gewinn von Marktanteilen geht. 2019 kommt Disney mit seinem Streamingdienst noch dazu. Apple macht auch ähnliches. Es wird insbesondere für Netflix nicht leichter werden. Ich denke wir sehen hier erstmal einen harten Verdrängungswettbewerb, der im Wesentlichen auch durch günstige Preis geführt wird. Der Streamingdienst von Disney soll ja nur 5 USD/Monat kosten. Die finanziell stärksten Anbieter mit dem besten Content werden überleben. Erst nach einer Konsoldierung der Branche werden die Preise anziehen. So sehe ich es :)

    Es ist in jedem Fall eine spannende Zeit für Investoren in diesem Bereich.

    Beste Grüße
    Thomas Senf aka Finanzsenf

  • #5

    Finanzsenf (Freitag, 21 September 2018 20:19)

    Hallo Karl Napf,

    vielen Dank für die Darstellung ihrer Analyse.

    Ich schaue mir nicht nur die Entwicklung der EPS (Gewinn pro Aktie) an, sondern zunächst auch immer die Entwicklung des Gesamtgewinns. Die EPS können durch "financial engineering" verfälscht werden und die wahre geschäftliche Entwicklung verschleiern. Ich bezog meine Aussage kein Gewinnwachstum daher auch auf die Entwicklung des Gesamtgewinns.

    Mit der Bereinigung von Kennzahlen bin ich grundsätzlich vorsichtig. Ich bereinige nur einmalige Sondereffekte von außergewöhnlicher Höhe. Ähnlich wie bei den EPS kann man sich hier auch vieles "schön rechnen". Restrukturierungskosten und Buchwertabschreibungen gehören m.E. zu einem großen, global agierenden Konzern dazu. Solche Kosten fallen immer wieder mal an. Ich halte auch die Abgrenzung für schwierig.

    Sie haben aber recht, dass die Steuerreform auch einen nachhaltigen, langfristigen Effekt hat. Von daher dürfte man, den einmaligen Sondereffekt eigentlich auch nicht bereinigen. Wie gesagt, solche Sondereffekte sind immer schwierig zu Hand haben.

    Beste Grüße
    Thomas Senf aka Finanzsenf

  • #6

    Karl Napf (Samstag, 22 September 2018 15:09)

    Der Gesamtgewinn des Unternehmens ist aber irrelevant (bei der Fusion zwischen Linde und Praxair wird er sich verdoppeln, die Anzahl der Aktien aber ebenfalls, das EPS bleibt tendenziell gleich).
    "Financial Engineering" in Form von _antizyklischen_ Aktienrückkäufen (wie sie bei AT&T derzeit möglich wären, weil die Aktie historisch niedrig bewertet ist) kann sehr wohl wertsteigernd für die Aktionäre sein (während _permanente_ Aktienrückkäufe dies in der Regel _nicht_ sind, sondern eher von der Geschäftsleitung für die Erreichung der Ziele ihrer Bonuszahlungen missbraucht werden). Da muss man einfach genau hinschauen - pauschale Verurteilung von Financial Engineering ist genauso falsch wie pauschales Lob für Aktenrückkäufe .
    Die (split-bereinigte und €-währungsnormalisierte) Entwicklung des EPS ist das einzige Maß, welches beide Effekte korrekt behandelt.

    Den EPS-Sprung amerikanischer Aktien durch die niedrigeren Steuersätze bereinige ich nicht (weil er dauerhaft ist), die einmalige Sonderbelastung aufgrund der Repatriierungskosten ausländischer Gewinne bzw. einmalige Buchgeweinne aufgrund der Neubewertung latenter Steuern in der Bilanz durch die geänderten Steuergesetze hingegen sehr wohl, denn die bereinigte EPS-Entwicklung liefert insbesondere eine Aussage darüber, wie schwankungsanfällig (und damit zyklusabhängig) das Geschäftsmodell selbst ist (was gegen Ende eines seit 10 Jahren andauernden Wirtschaftszyklus mit bereits deutlich gestiegenen Zinsen in den USA keine unwichtige Information sein dürfte).

    Restrukturierungen sind in der Tat ein schwieriges Thema, aber auch dort ist es bei den meisten Unternehmen so, dass eine Bereinigung solcher Sonderaufwendungen mehr Nutzen bringt, als Schaden anzurichten - insbesondere dann, wenn das Unternehmen ca. alle 5 Jahre eine große Übernahme durchführt und anschließend Integrationsaufwendungen zu verbuchen hat, die nach 2-3 Jahren zu den erwarteten Synergieeffekten führen und anschließend wegfallen.
    Unternehmen, die _permanent_ Restrukturierungsaufwendungen verbuchen, heben sich hingegen vom Rest deutlich (negativ) ab - und in diesem Falle bin auch ich eher gegen die Bereinigung solcher Effekte, weil sie eben _nicht_ den Charakter eines "non-recurring item" aufweisen.
    Die Rückstellungen von AT&T für die Betriebsrenten sind jedoch ganz eindeutig nicht wiederholbar, weil die Fed den Leitzins nicht auf -5% senken kann. Im Gegenteil ist sogar zu erwarten, dass sich steigende Zinsen in diesem Fall positiv auf den Gewinn von AT&T auswirken, weil die steigende Rendite der bereits getätigten Rückstellungen es dem Unternehmen ermöglicht, in den kommenden Jahren weniger oder sogar überhaupt keine weiteren Einzahlungen in diesen Topf vorzunehmen (was die hohe Zinssensitivität teilweise kompensieren würde). Sollte AT&T jedoch sogar eine Buchwerthochschreibung (!) seiner Rückstellungen vornehmen und diese als Teil seines Gewinns ausweisen (müssen), dann würde ich diese genauso bereinigen wie die vorherigen Sonderbelastungen.
    "non-recurring items" müssen gar nicht "unmöglich zu wiederholen" sein, um eine Bereinigung zu erlauben, sondern sie müssen "nicht der Regelfall" in kommenden Jahren sein. Ich halte beispielsweise die Übernahme von Time Warner durch AT&T für richtig und den gebotenen Preis für angemessen (weil auch Time Warner derzeit historisch niedrig bewertet ist), würde aber dennoch eine eventuelle Abschreibung des Goodwill auf Time Warner durch AT&T in ein paar Jahren bereinigen - ganz einfach, weil diese Abschreibung die Entwicklung des _Geschäftsmodells_ verzerrt und damit den Blick auf die zu erwartende weitere Entwicklung des Unternehmens verstellt. Dass Abschreibungen "vorkommen", halte ich für kein Argument - weil es einen erheblichen Unterschied zwischen geplanten, jährlichen inkrementellen Amortizations und ungeplanten, einmaligen Impairments gibt (nur letztere sind "bereinigungsfähig".

    Fazit: Die US-Steuerreform hat die Gewinne praktisch aller US-Unternehmen für dasjenige Bilanzjahr, welches den Dezember 2017 umfasst, derartig massiv verzerrt, dass jegliche Bewertung dieser Unternehmen ohne Bereinigung dieser Sondereffekte zu unbrauchbaren Ergebnissen führt. Bereinigen von EPS-Werten war nie so wichtig wie heute.

  • #7

    Schildkröte (Samstag, 22 September 2018 17:34)

    Danke für Ihre Antwort!

    Gut, dann sind wir bezüglich des Kundenverhaltens (jüngerer User) unterschiedlicher Auffassung, aber das ist ja auch in Ordnung. Ich gehe ebenfalls davon aus, dass das Gros der jüngeren User mit zunehmenden Alter beim streamen bleibt, allerdings dürfte man meines Erachtens eher dazu bereit sein mehr Geld zu bezahlen.

    Amazon hat ja bereits (vorsichtig) an der Preisschraube gedreht und die jährlichen Gebühren für Amazon Prime erhöht. Des weiteren sind bestimmte Filme und Serien (z. B. aus den Genres Horror, Science Fiction, Dokus etc.) nur gegen zusätzliche Gebühren (entweder als Einzelpreis oder als zusätzliches Abo für eben genau das jeweilige Genre) abrufbar. Das Prinzip dahinter unterscheidet sich nicht großartig hinter dem Bausteinprinzip bei klassischem Pay-TV (etwa für Sportübertragungen). Die Grenzen zwischen herkömmlichem TV und Internet verwischen eben zunehmend.

    Tja, die (derzeit) niedrigen Abogebühren. Da sind wir uns ja beide einig, dass Wachstum bzw. Gewinn von Marktanteilen vor allem über den niedrigen Preis erfolgen soll. Amazon, AT&T, Disney, Apple etc. verfügen diesbezüglich über prall gefüllte Kriegskassen und können den Kapitalmarkt ggf. leicht anzapfen. Was ist jedoch mit Netflix? Kann dessen Verschuldung nicht womöglich zum Verhängnis werden, insbesondere bei steigenden Zinsen?

    Ich hätte noch eine Frage zum Datenschutz:
    Dass im Wertpapier-Forum auf ihre Analysen verwiesen wird, sollte auch in Ihrem Interesse sein und geht daher in Ordnung? Dürfen darüber hinaus auch Auszüge aus Ihren Analyen und Kommentare von Ihnen im WPF zitiert werden?

    Gepanzerte Grüße

  • #8

    Finanzsenf (Samstag, 22 September 2018 18:21)

    Hallo Schildkröte,

    es stellt ja jeder seine eigenen Prognosen an und niemand hat eine Glaskugel.

    Bezüglich dem Streaming denke ich, dass der Trend zu mehreren Streamingdiensten gleichzeitig gehen wird. Das ist bei den günstigen Preisen sicher gut darstellbar. Ein Streamingdienst für Serien (Netflix?), ein Streamingdienst für Kinder (Disney Channel), ein Streamingdienst für Sport (z.B. DAZN - aktuell auf Platz 2 der Android-Download-Charts), ein Streamingdienst für sonstiges (AT&T in den USA?).

    Bezüglich dem Datenschutz: Meine Analysen können gern verlinkt werden. Bezüglich persönlicher Kommentar von mir sollte immer die genaue Quelle (ggf. Fundstelle in der Analyse) mit angegeben werden. Das tue ich mit Informationen in meinen Analysen übrigens auch immer ;)

    Gruß Finanzsenf

  • #9

    Finanzsenf (Samstag, 22 September 2018 18:30)

    Hallo Karl Napf,

    das der Gesamtgewinn für ein Unternehmen irrelevant sein soll, dem kann ich beim besten Willen nicht zustimmen. Man muss sich m.E. immer beides anschauen - Gewinn pro Aktie und die Entwicklung des Gesamtgewinns. Wenn der Gesamtgewinn jedes Jahr rückläufig ist und der Gewinn pro Aktie aber steigt, dann kann das ein Zeichen sein, dass das Geschäftsmodell irgendwie nicht mehr richtig funktioniert. Man kann nicht ewig die Anzahl der Aktien reduzieren, um den Gewinn pro Aktie zu steigern. Gerade bei rückläufigem Gesamtgewinn sollte man vielleicht früher als spät (in neue Geschäftsfelder) investieren, als das Geld den Aktionären zukommen zu lassen.

    Gruß Finanzsenf